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Le coeur a ses raisons
que la raison ne connaît point.


„Mit dem Herzen erkennen wir Wahrheiten,
die wir mit dem Verstand allein nicht erkennen.“

Blaise Pascal (1623 – 1662)


Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point (aus: Blaise Pascal, Pensées; die Originalhandschrift ist nicht eindeutig zu entziffern, andere Lesarten sind a sa raison und ne connaît pas): wörtl. „Das Herz hat seine Gründe (ses raisons), die der Verstand (la raison) in keiner Weise kennt.“ Ses raisons bedeutet: seine eigenen logischen, intuitiven und offenbarten Erkenntnisse. Die Formulierung a ses raisons, „hat seine Gründe“, enthält im Französischen einen Anklang an die Formulierung a raison: „hat recht“. Die Erkenntnisse des Herzens berühren Wahrheiten, an die der Verstand allein nicht heranreicht. Über das Herz bekommt auch der Verstand Zugang zu diesen Erkenntnissen und kann sie mit Logik nachvollziehen. Eigentlich gilt dies für jede Art von Erkenntnis, auch für wissenschaftliche, denn Aha-Erlebnisse sind nie nur das Ergebnis einer intellektuellen Bemühung, wie uns das sprichwörtliche „Heureka“ des Archimedes zeigt. Eine Herz-Intelligenz ist nicht unlogisch oder irrational, im Gegenteil, oft ermöglicht sie uns erst, höhere Zusammenhänge zu erkennen, insbesondere im philosophischen und spirituellen Bereich. Wenn im vorliegenden Buch einige Textstellen bis an die Grenzen des Erkenntnisvermögens unseres Verstandes herangehen, ist ebenfalls diese Herz-Intelligenz gefragt. Denn »mit dem Herzen erkennen wir Wahrheiten, die wir mit dem Verstand allein nicht erkennen“.

Blaise Pascal (1623–1662) war einer der bedeutendsten Mathematiker, Philosophen und Theologen seiner Zeit. Er war ein Wunderkind der Mathematik und Physik und stellte bereits als Sechzehnjähriger seine ersten geometrischen Lehrsätze auf, mit denen wir heute noch arbeiten. Mit 31 Jahren erlebte er eine innere Offenbarung, die ihn bewegte, Philosophie und Mystik zum zentralen Inhalt seines Lebens zu machen. Er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in einem klösterlichen Umfeld, blieb aber weltlich und wissenschaftlich aktiv. 1657 begann er mit der Niederschrift von ersten Notizen und Texten zu einem Buch, das er als „Apologie des Christentums“ konzipierte. Dazu gehörten viele Gedanken und Argumente von allgemein theologischer und philosophischer Natur, wie z. B. das Zitat, das ich hier als Leitsatz wählte; andere waren, dem Geist seiner Zeit entsprechend, auf die Begründung der Überlegenheit der christlichen Religion ausgerichtet. Das Buch blieb jedoch unvollendet, Blaise Pascal starb 1662 mit nur 39 Jahren. 1670 wurden die vielen Kurztexte, Notizen und Fragmente unter dem Titel
Pensées de M. Pascal sur la religion, et sur quelques autres sujets („Gedanken von Hrn. Pascal über die Religion und einige andere Themen“) erstmals veröffentlicht und erfuhren im Lauf der nächsten dreihundert Jahre mehrere Ausgaben, in denen die Texte immer wieder neu geordnet wurden. (In der Reclam-Ausgabe findet sich das als Leitsatz ausgewählte Zitat im Kapitel „Nichteingeordnete Papiere – Serie II“, Nr. 423/277, S. 233.)

Neu
Armin Risi

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